KLEINE BERLINER SCHRIFTEN ZUM ALTEN ÄGYPTEN ONLINE 1 Göttlich selbst bei schlechtem Wetter

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    K LEINE B ERLINER S CHRIFTEN ZUM A LTEN Ä GYPTEN O NLINE 1 2014 Göttlich selbst bei schlechtem Wetter Christian Huyeng KBSAÄO   1  2 Kleine Berliner Schriften zum Alten Ägypten Online 1 Herausgegeben von Andreas Finger und Christian Huyeng  3 I MPRESSUM  Autor: Christian Huyeng Herausgeber: Andreas Finger und Christian Huyeng Redaktion: Andreas Finger (c) 2014 Andreas Finger und Christian Huyeng  4 G ÖTTLICH SELBST BEI SCHLECHTEM W ETTER   Z U ZWEI SCHWIERIGEN B EGRIFFEN IN DER U NWETTERSTELE DES A HMOSE  – HAp   UND   Hbs Christian Huyeng Die so genannte Unwetterstele des Ahmose gehört sicherlich zu den interessantesten königlichen Inschriften der frühen 18. Dynastie. Sie trägt ihren Rufnamen, da auf ihr ein verheerendes Unwetter in Ägypten den zentralen Raum einnimmt. Sie stellt die einzige bekannte königliche Quelle zu einer  Naturkatastrophe aus der 18. Dynastie dar. Der heutige Verbleib der Stele ist unbekannt. Ihr ursprünglicher Aufstellungsort ist aber durch die Grabungen 1947 1  und 1951 2  sicher mit Karnak anzugeben.  Recto  und verso  der Stele sind mit dem gleichen Text beschriftet. Die Stele wird nach der recto -Seite gelesen, Ergänzungen der verso -Seite sind unterstrichen, weitere Ergänzungen von B EYLAGE 3  und nach A LLEN /W IENER  4  ergänzte Stellen doppelt unterstrichen. In diesem kleinen Artikel möchte ich eine schwierige Passage der Stele in neuer Übersetzung vorstellen und dabei Vorschläge zu den beiden Begriffen HAp  und Hbs  vorlegen. In dem zu besprechenden Abschnitt verlässt der König seinen Palast, der nördlich von Theben liegt und besteigt ein Schiff, um nach Karnak zu fahren. Das Unwetter ist bereits vorbei, die Schäden aber noch nicht beseitigt. hA(j).t pw jr(j).n=f Hm=f r jm.w=f Knb.tj(w)=f m xt=f mSa[=f] Hr jAb.t.t Hr jmn.t.t Hr HAp nn Hbs   Hr=s m-xt xpr bA.w nTr.w  spr pw jr(j).n Hm=f r Xn.w wAs.tj nbw Hs(j.w) m nbw sSm pn Ssp=f Ab(j).n=f Das Wort HAp  bereitet einige Problem. Es existiert ein Verbum HAp 5 , dass in den Bereich „geheim halten“; „verbergen“; „verstecken“ und „bedecken“ aber auch „verschwiegen sein“ gehört. Daneben existiert allerdings ein Substantiv HApw, „Abschirmung“ 6  sowie HApw.tj / HApw „militärischer Kundschafter“ 7 . B EYLAGE 8  scheint an eine verbale Ableitung des Substantivs HApw  zu denken, denn er übersetzt „ während sein Heer (ihn) auf der West- und Ostseite abschirmte “. Diese Bedeutung ist weder im WB noch im  HWB  explizit für das Verbum HAp  angegeben. Da von der mSa  des Königs als handelnder Gruppe die Rede ist, scheint seine Übersetzung gut und richtig zu sein. Andere Belege für das Verbum HAp weisen meines Erachtens aber in eine andere Richtung: Ich nehme an, dass man hier einen Zusammenhang zwischen dem Verbum HAp in der Bedeutung „verheimlichen“, „verhüllen (mit Stoff)“, „verbergen“, „decken über“ herstellen kann. An der Begleitung des Herrschers sind neben den Soldaten nämlich auch die Beamten, die Knb.tj(w)=f  , beteiligt. Ich denke daher, dass man die Stelle etwas anders auflösen muss: Die Beamten hinter Ahmose und die Garde rechts und links des Königs schirmen ihn ab. Ich ziehe somit auch die Übersetzung von  jAbt.t   und  jmnt.t   als „rechts“ und „links“ gegenüber „Osten“ und „Westen“ vor. Beide Personengruppen haben den gleichen Zweck, denn sie verhindern, dass man den Herrscher direkt ansehen kann. Dieser wird wie ein Kultbild durch seinen Geleitschutz verhüllt und den Blicken der einfachen Menschen entzogen. 1  V ANDERSLEYEN , in: RdE 19 (1967), 123-24. 2  A BDUL -Q  ADER M UHAMMED  in:  ASAE 59 (1969), 149. 3  B EYLAGE ,  Aufbau, 80. 4  W IENER /A LLEN , in:  JENES 57 (1998), fig.1b. 5   HWB 542, l. Sp. o. {19606} - {19618}. 6   HWB 542 l. Sp. u.{19620}. 7   HWB 542 l. Sp. u. {19621}. 8  B EYLAGE ,  Aufbau , 83,.  5 Eine detaillierte Besprechung dieser Stelle ist nicht unbedeutend, denn man muss sich fragen, was der Sinn des Verhüllens oder aber Abschirmens ist. In der Übersetzung von B EYLAGE scheint eher eine militärische, der Sicherung des Königs und seines Geleits dienende Abschirmung gemeint zu sein. Es handelt sich also um die persönliche Leibgarde, die den Herrscher stets begleitet. Mich wundert ein wenig die explizite Beschreibung dieser Szene. Es scheint sich um einen ungewöhnlichen Zustand zu handeln und einen improvisierten Aufbruch vom Palast. Die Abschirmung des Königs dient wohl weniger dem leiblichen Schutz des Ahmose, als vielmehr dazu, den göttlichen Herrscher unsichtbar zu machen, ihn zu verbergen vor der Beschmutzung durch das Profane. Dafür sprechen verschiedene Dinge: Der Begriff taucht in der Unwetterstele noch einmal auf und zwar an folgender Stelle: aHa.n wD.n Hm=f s:rwD rA-pr(.w).w ntjw wA(j) r wAsj m tA pn r Dr=f smnx mnw n(jw) nTr(.w) Ts(j).t  snb(.w)t=sn rD(j).t Dsr(.w) m a.t Sps.t HAp s t StA t  s:aK.t sSm(.w) r kAr(.w)=sn wn(.w) m ptx r tA sS ax(.w) saHA xAw.t smn(.t) pA.wt=sn KAb aK(.w) n(j) jAw.tj(w) r D(j).t tA mj tp.t=f a.w jr(j).jn=tw mj wD[.t n nb.t Hm=f jr(j).t]  Daraufhin befahl seine Majestät die Tempel zu restaurieren, die im ganzen Land dabei waren, zu  zerfallen, die Monumente der Götter  9  wieder herzustellen, ihre Umwallungen 10  zu bauen, die  Reliquien/ Heiligkeiten in die edle Kammer  11 (zurück) zu geben, die Geheime Stätte (wieder) zu verhüllen  , die Kultbilder wieder in ihre Naoi einzusetzen, nachdem sie auf den Boden geworfen waren 12  , die Feuerbecken wieder aufzurichten und die Altäre wieder hinzustellen, ihre Speiseopfer neu  festzusetzen, die Einkünfte der Würdenträger zu verdoppeln 13 um das Land in seinem früheren Zustand  sein zu lassen. Da tat man alles, wie es seine Majestät zu tun befohlen hatte! Hier ist der religiöse Aspekt des Verhüllens ganz deutlich. Das was StA , also „geheim“ ist, muss verhüllt werden. Insgesamt kommt der Begriff in den königlichen Inschriften der 18. Dynastie (inklusive der beiden Belege aus der Unwetterstele) nur viermal vor. Auf der so genannten Abydos-Stele von Thutmosis I. 14  erscheint HAp als eine Eigenschaft der neu vom Herrscher in Auftrag gegebenen Götterstatuen. Es handelt sich um das Urk. IV 99,12-17: StA.w Dsr.w D.t=sn jA.wt jr.y m Dam s:mnx.w r jmj.wt=sn HA.t Dsr s.t r xpr.t m p.t   HAp s t r sxr w dwA t  wAS s.t r jmj.w nwn Geheim und heilig ist ihr Leib 15  , die dazugehörigen Standarten 16   sind aus Djam-Gold, dauerhafter als  sie es vorher waren, heiliger als das im Himmel Entstandene, verborgener sind sie als die Pläne der Unterwelt   und ehrwürdiger als die, die im Nun sind! 9  V ANDERSLEYEN , in: RdE 19 (1967), 133; ders in: RdE 20 (1968), 133 nimmt an, dass mit den nTr.w  die verstorbenen Könige gemeint sind und möchte daher in den genannten mnw.w  Stelen und Obelisken als Teile der Grabanlagen erkennen. Auch wenn ich der Ausführungen zu den Monumenten nicht folgen möchte (ich verstehe mnw  als einen allgemeinen Sammelbegriff (königlicher) Stiftungen), so hat die Idee doch einiges für sich. Dazu müssten allerdings zwei Fragen geklärt werden: 1. Bezeichnet ro pr(.w)  auch Totenkultanlagen? 2. kann mit dem Ausdruck tA r Dr=f   tatsächlich eine nur so begrenzte Fläche wie Dra Abul en-Naga beschrieben sein? Besonders die zweite Frage kann man recht eindeutig verneinen, ist es doch auch sonst eine Bezeichnung für das gesamte Land, wenn nicht die ganze Welt. 10   HWB 776, l. Sp. u. „  snbt   (  znbt  )  f Wall, Mauer, Stützmauer ( a. beim Himmel  ) {28478}, (einzelne) Seitenmauer {28478}; Umwallung ( e. Grabes ) {28489}“. 11   HWB 136 r. Sp. o. „ a.t     f 1.(...) ≈ Spsst   „edle Kammer“ {4605}.   12   HWB 317 r. Sp. o. „  ptx  1. [tr] werfen, niederwerfen {11509}“. 13   HWB 916 r. Sp. u. -917 l. Sp. o. „ qAb  1. vermehren {33937} (...) 2. [ a. math] verdoppeln {33943}“. 14  Urk. IV 95,5-103,4. 15  Also die Statuen. H OFMAN , Königsnovelle , 135 versteht die Stelle falsch, denn sie übersetzt „Ihre Gestalten wurden geheim und prächtig gemacht“. Das Verbum „gemacht“, also ein Passiv von  jr(j)  oder wie bei Statuen eher zu erwarten ms(j) , ist aber nicht geschrieben. Sie folgt damit wohl Übersetzung (1914), 50. Es handelt sich vielmehr um einen nfr-sw -Satz (Adjektivalsatz). Sie folgt damit wohl Übersetzung (1914), 50. 16 Übersetzung (1914), 50, bietet „Tragestangen“ als Übersetzung an. Dies erklärt sich aus der „Homonymität“ der Worte „Tragestange“ und „Standarte“, die aber unterschiedlich determiniert werden. HWB 20 l. Sp. „  jAt     f Standarte, Schild {649}“ und ebenda „  jAt     f Tragestange ( a. der Standarte ) {650}“. „Standarte“ mit eben diesem Zeichen, R12, Tragestange dagegen mit S43. Die Übersetzung ist zudem inhaltlich fragwürdig. Die Kultbilder der Götter werden nicht auf Stangen bei Prozessionen getragen. Sichtbar sind dagegen die (goldenen)
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