Geliebter Gott oder Göttlicher Geliebter? Adoniskult im Schatten der Aphrodite.

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  geLiebter gott oder göttLicHer geLiebter?  Adoniskult im Schatten der Aphrodite Wiebke Friese  Name weist nach Osten und lässt sich von dem semitischen Wort für „Herr“ ableiten. Wie die ihm verwandten und teilweise viel älteren Kultfiguren des mesopotamischen Tammuz, des hethi-tischen Telipinu, des phrygischen Attis und des ägyptischen Osiris war Adonis der Begleiter einer wichtigen Mutter-gottheit. In seinem Mythos, dessen po-pulärste Version von dem römischen Dichter Ovid (Metamorphosen 10, 519–739) verfasst wurde, besiegelt diese gefährliche Verbindung sein Schicksal. Schauplatz der Handlung ist entweder der Berg Libanon in der Nähe von Byb-los (Lycophron Alex. 831–33) oder Ida-lion auf der Insel Zypern (Propertius 2. 13, 53–56):Als die kyprische Königstochter Myrrah sich hochmütig weigerte der Göttin Aphrodite zu huldigen, rächte sich diese grausam, indem sie die Jung-frau dazu verdammte, sich unsterblich in ihren Vater Kinyras zu verlieben. Nachdem dieser durch eine List seiner liebeskranken Tochter in ihr Bett ge-lockt worden war und am folgenden Morgen seine Blutschande entdeckte,  jagte er seine Tochter rasend vor Wut J ung war er, unbeschwert und „seine Schönheit hätte selbst der bloße Neid loben müssen“ (Ovid, Meta-morphosen 10, 515). Die Göttin der Liebe, Aphrodite selbst, zog „dem Him-mel Adonis vor“ (Ovid, Metamorpho-sen 10, 532). Noch heute gilt der Name des jungen Gottes Adonis als Inbegriff für Jugend und Schönheit, als Metapher für das blühende Leben. In den Ur-sprüngen seines Kultes feierte man da-gegen das tragische Ende des leichtsin-nigen Jägers, seinen Tod und die Trauer Aphrodites, seiner machtvollen Gelieb-ten. Ob als eigenständiger Gott oder als sekundärer Kultbegleiter der großen Göttin – die Spur seiner Verehrung lässt sich von der Levanteküste bis in das spätantike Rom verfolgen. Der Adonismythos – zu schön, um wahr zu sein In der griechisch-römischen Literatur wird Adonis als Sohn des Assyrerkönigs Theias zum ersten Mal im 5. Jh. v. Chr. durch Panyassis von Halikarnassos erwähnt (Apollodoros 3. 14.4). Sein Aphrodite #3.indd 9129.01.2009 11:23:28 Uhr  92 wiebKe frieSe aus dem Palast. Myrrah floh über das Meer bis nach Syrien, wo die Göttin endlich ein Einsehen hatte und die nunmehr schwangere Königstochter in einen Myrrhenbaum verwandelte. Ihr Sohn Adonis, der aus der Rinde des Baumes hervorbrach, wuchs von Nym-phen bewacht als Hirte in den Bergen auf. Dort wurde er, zu einem jungen Mann herangewachsen, von Aphrodite beim Jagen überrascht. Von seiner Schönheit überwältigt nahm die Göttin ihn zum Geliebten (Abb. 19) und be-trug damit nicht nur ihren Mann He-phaistos, sondern auch ihren äußerst  jähzornigen Liebhaber, den Kriegsgott Ares. Dieser war es auch, der die beiden schließlich überraschte und auf Rache gegen seinen Nebenbuhler sann. Als Adonis sich eines Tages, gegen die fle-hentliche Bitte der ahnenden Göttin, auf die Jagd begab, wurde er von Ares in Gestalt eines wilden Ebers getötet. Von den Todesschreien ihres Geliebten herbeigerufen, eilte Aphrodite zu ihm und verfügte in ihrer Trauer, dass „eine heilige Handlung jedes Jahr den Tod des Adonis wiederholen und ein Nach-hall ihrer Trauer sein solle“ (Ovid, Me-tamorphosen 10, 725 f.). Über seinem Grab aber ließ die Göttin violette Blu-men sprießen, die seitdem, ebenso kurzlebig und vergänglich wie der Gott selbst, Adonisröschen genannt werden.Der Mythos wird von verschiedenen antiken Autoren variiert. So entdeckt Aphrodite den Jüngling in der älteren Version des Panyassis bereits als Kind. Eifersüchtig verbirgt sie ihn in einer Truhe und vertraut diese ihrer Ver-wandten Persephone, der Königin der Unterwelt, zum Schutz an. Als Perse-phone die Truhe trotz des Verbotes der Aphrodite aus Neugier öffnet und wie  jene der Schönheit des Jungen erliegt, weigert sie sich bei Aphrodites Rück-kehr, die Truhe herauszugeben. Erst Zeus kann den Streit unter den beiden Göttinnen schlichten. Er befiehlt, dass Adonis ein Drittel des Jahres bei Perse-phone, ein Drittel bei Aphrodite und ein Drittel an einem Ort seiner Wahl verbringen solle. Adonis entscheidet sich für Aphrodite und ein Leben im Diesseits (Apollodoros 3, 14, 3). Dichtung und Wahrheit.  Vom Mythos zum Kult  Dem Mythos zufolge war Adonis also ein typischer Antiheld. Das Ergebnis ei-ner „amour fou“, als Kind der Zankapfel zweier alternder Göttinnen und noch nicht einmal als Jäger besonders erfolg-reich. Trotz alledem verehrte man ihn fast im gesamten antiken Mittelmeer-gebiet. Spuren seines Kultes fanden sich von Germanien bis Afrika, von der Le-vanteküste bis nach Hispanien, beson-ders aber im südöstlichen Mittelmeer-gebiet, einschließlich der Insel Zypern. Doch was macht den scheinbaren Tau-genichts zu einer anbetungswürdigen Gottheit?Entwickelt hat sich die Figur des Adonis zum einen aus der Gestalt des mesopotamischen Tammuz. Auch die-ser bereits im 2. Jt. v. Chr. verehrte Gott war ein Hirte, der in heiliger Hochzeit Aphrodite #3.indd 9229.01.2009 11:23:28 Uhr  93 geLiebter gott oder göttLicHer geLiebter?  a. 19 t, Vs  as (1553–54). d k Lsshh v Vs  as s s h s  ls thm  läsh Ks. M, Ms  p. Aphrodite #3.indd 9329.01.2009 11:23:30 Uhr  94 wiebKe frieSe mit der orientalischen Kriegs- und Lie-besgöttin Ištar verbunden war. Auch Tammuz’ Leben endete vorzeitig in der Unterwelt, in welche ihn seine Geliebte verpfändet hatte, um dieser selbst ent-fliehen zu können. Enge Parallelen fin-den sich außerdem im Mythos und Kult des ägyptischen Gottes Osiris. Ur-sprünglich König und Totengott wurde der von seinem Onkel Seth ermordete Mann der Göttin Isis seit hellenistischer Zeit vor allem in seiner Funktion als Fruchtbarkeitsgott verehrt.Beide Kulte treffen in Byblos, im heu-tigen Syrien, etwa 30 km nördlich von Beirut aufeinander. Neben den Haupt-göttern Baal und Baalat wurde Tammuz in der levantinischen Handelsstadt be-reits seit dem 14. Jh. v. Chr. verehrt, Osi-ris spätestens seit der ägyptischen Statt-halterschaft der byblischen Könige im 15. Jh. v. Chr. Als einer der wichtigsten Umschlagshäfen für das bei den Phara-onen so begehrte Zedernholz gehörte Byblos jedoch schon seit dem 3. Jt. v. Chr. zu den Haupthandelspartnern Ägyptens. Der Name des Adonis taucht erst in hellenistischer Zeit im Zusam-menhang mit Byblos auf, doch ist anzu-nehmen, dass er in einer ähnlichen Form bereits früher in Verbindung mit der Göttin Baalat verehrt wurde. Die Adonien von Byblos. Zeter und Mordio am Grab des toten Gottes Auch den antiken Schriftstellern zu-folge war Byblos Zentrum des Adonis-kultes (Strabon 16, 2). Vermutlich be-zieht sich schon Hesiod (frg. 139) auf einen dort ansässigen Kult, wenn er von Adonis als „Sohn des Phoenix“ (Phonicia) spricht. Lukian, der Mitte des 2. Jhs. n. Chr. seine Schrift „De dea Syria“ über den Kult der Syrischen Göttin verfasste, beschreibt nach ei-nem Augenzeugenbericht die dort all- jährlich im Frühjahr stattfindenden Trauerfeiern folgendermaßen: „Ich sah weiter in Byblos ein großes Heiligtum der Byblischen Aphrodite, in dem seien auch die Feiern für Adonis begangen. … Sie erzählen nämlich die Geschichte mit dem Eber habe sich in ihrem Land zugetragen und zur Erinnerung an das Unglück schlagen sie sich jedes Jahr die Brust, klagen und begehen Feiern und im ganzen Lande finden bei ihnen große Trauerfeiern statt. Wenn sie sich aber genug geschlagen und genug ge-klagt haben, opfern sie zunächst dem Adonis als einem Toten; nachher aber, am anderen Tage, fabeln sie davon, dass er lebe … und scheren sich den Kopf, wie die Ägypter nach dem Tode des Apis. So viele von den Frauen sich aber die Haare nicht scheren wollen, vollziehen die folgende Strafe: an ei-nem Tage stehen sie zum Verkauf ihrer Reife da; der Markt ist aber nur Frem-den offen, und der Lohn kommt als Opfer der Aphrodite zugute“ (Lukian, De dea syria 6).Auch wenn es sich hierbei um eine relativ späte Beschreibung der Festivi-täten handelt, so oder so ähnlich schei-nen sie zumindest seit hellenistischer Zeit abgehalten worden zu sein. Am ersten Tag des Festes versammelten Aphrodite #3.indd 9429.01.2009 11:23:30 Uhr  95 geLiebter gott oder göttLicHer geLiebter?  sich die Frauen im Heiligtum der gro-ßen Göttin und beklagten den Tod des Gottes. Wie bei einer realen Totenfeier schrien sie dabei, rauften sich die Haare oder schlugen sich auf die Brust. Nachdem am folgenden Morgen Op-fer niedergelegt worden waren, warfen sie den Gott, wie Lukian sagt, „in die Luft“. Dies könnte bedeuten, dass sein Kultbild entweder tatsächlich gewor-fen oder aber feierlich verbrannt wurde, sich also sozusagen in Luft auf-löste. Anschließend wurde der Gott in einer Prozession aus dem Heiligtum getragen. Philo von Byblos (Eusebius Praep. evang. 1, 10, 2) erwähnt einen tragbaren Schrein, aus anderen Orten ist ein Gefährt, ähnlichen einem To-tenwagen bekannt. Leider beschreibt Lukian nicht, wohin die Prozession führt: ob zu einem Punkt innerhalb des heiligen Tempelbezirkes, aus dem Heiligtum oder vielleicht sogar aus der Stadt heraus. Mittelpunkt der Fei-erlichkeiten und damit Start oder Ziel der Prozession war sicherlich das Hei-ligtum der Aphrodite, wo sich Adonis und die Göttin in einer „hieros ga-mos“, einer Heiligen Hochzeit, mitei-nander vermählten. Hier war es ver-mutlich auch, wo sich diejenigen Frauen zum Verkauf im Namen der Göttin anbieten mussten, die zu eitel waren, um sich, wie es der Brauch ver-langte, aus Trauer um Adonis die Haare zu scheren. Doch war sakrale Prostitution nicht spezifisch für das Fest des Adonis, sondern im Kult der phönizischen Aphrodite relativ weit-verbreitet. Im Anschluss an die heilige Hochzeit wurde das Götteridol im Wasser, im Falle von Byblos im heili-gen See versenkt. Für die Kultteilneh-mer begann nun der angenehme Teil der Feierlichkeiten, denn wie die meis-ten Feste endete auch das des Adonis mit einem öffentlichen oder privaten Bankett. Einer Theorie der französischen Ar-chäologin Brigitte Soyez zufolge verlief die Prozession dagegen nicht nur in-nerhalb der Stadtmauern, sondern über mehrere Kilometer bis hin zum Aphrodite-Heiligtum von Aphaia, etwa eine Tagesreise landeinwärts. Einem byblischen Mythos nach soll Adonis hier von dem Eber getötet worden sein, zudem entspringt an dieser Stelle der Fluss, der in der Antike nach dem Gott benannt war und dessen alljährliche Rotfärbung den Beginn der Adonisfei-ern ankündigte. Durch die Schnee-schmelze im Frühjahr gelangt auch heute noch dunkelrote Erde bis an die Flussmündung – als Sinnbild für das Blut des getöteten Gottes. Reine Frauensache. Die Adonisfeiern in Griechenland und Alexandria Die Adonisfeiern in Byblos waren also allem Anschein nach eine öffentliche Angelegenheit, von Männern und Frauen gleichermaßen gefeiert. Über die östlichen Handelsrouten gelangte der Kult des Adonis spätestens in klas-sischer Zeit bis in die griechischen Me-tropolen im Westen. In Korinth wur-den die Adonien nach syrischer Art Aphrodite #3.indd 9529.01.2009 11:23:30 Uhr
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