Ein spätbronzezeitlicher Linsenfund aus Lebehn, Kreis Uecker-Randow. Arch. Ber. Mecklenburg-Vorpommern 4, S. 40-43.

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Ein spätbronzezeitlicher Linsenfund aus Lebehn, Kreis Uecker-Randow. Arch. Ber. Mecklenburg-Vorpommern 4, S. 40-43.

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   rchäologische Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern e V Archäologische Berichte aus Mecklenburg Vorpommern Band4 997  Ein spätbronzezeitlicher Linsenfund aus Lebehn, Kreis Uecker-Randow Im Rahmen des Oderprojektes der R G K -eines Projekts unter der Leitung von Dr E Gringmuth-Dallmer und durch die Volkswagen-Stiftung gefördert -wurde im Jahre 1994 in Lebehn Kreis Uecker-Randow) eine Fundstelle mit bronzezeitlichen, kaiserzeitlichen und frühslawischen Siedlungsspuren gegraben. Dabei wurde u a eine spätbronzezeitliche Siedlungsgrube weiter ausgegraben, die im Zuge systematischer Flurbegehungen durch den Bodendenkmalpfleger E Dräger entdeckt und teilweise ausgegraben worden war. In der Gru  e fanden sich ne en Keramik und einem Bosselstein, auch massenhaft verkohlte Pflanzenreste. Aus dem noch vorhandenen unteren Teil der Grube wurden mehrere Teil pro en von insgesamt 100 Litern der 40 Grubenverfüllung geschlämmt und nach Pflanzenresten aussortiert. Diese verkohlten Reste bestanden vor allem aus Körnern von Emmerweizen, bespelzter Mehrzeil- und Zweizeilgerste und Erbsen; insgesamt ca. 20 000 Körner. Interessanterweise fanden sich zudem im kleineren Umfang Kulturpflanzen, die heutzutage in Deutschland nicht oder kaum mehr angebaut werden, wie Rispenhirse, Nacktgerste und Linsen Abb. 1). Es handelt sich bei allen Proben um ein Gemisch in unterschiedlichen Mengenanteilen von Resten der o en erwähn- ten Kulturpflanzen mit nur wenigen Unkrautsamen und Spreu. Dies deutet auf gereinigte Getreide- und Hülsenfruchtvorräte hin, die wahrscheinlich in oder im direkten Bereich der Grube gelagert waren und nach einem  Abb. 1 Verkohlte Linsen Großfeuer verkohlt sind. Es bleibt Spekula-tion, ob die Grube in Zusammenhang mit die ser Lagerhaltung und/oder einer Stelle für die Nahrungsaufbereitung stand, oder ob das verkohlte Pf1anzenmaterial aus nicht mehr vor handenen Strukturen sekundär in die Grube gelangt ist. Dieser relativ große Fund von Linsen ist interessant, weil er der bisher früheste Beleg vom Linsenanbau im nordostdeutschen Raum darstellt. Alles in allem wurden 594 Linsen ausgelesen. Linsen gehören zu den mtesten Kplturpf1anzen überhaupt. Die ältesten Funde von kultivierten Linsen stammen aus dem öst lichen Mittelmeerraum. Über Südosteuropa gelangte die Linsenkultur nach Mitteleuropa. Linsen waren Bestandteil der ältesten Ackerbau kultur Bandkeramik) in Mitteleuropa. Ein gro ßer Vorrat von ca. 500 verkohlten Linsen wur de in der bandkeramischen Fundstelle Eisen berg in Thüringen gefunden. Im allgemeinen liegen im östlichen Deutschland insgesamt nur wenig Fundstellen vor, die eine größere An- von 80 Linsen vor, der aus einem spät bronzezeitlichen Ackerbohnen- und Gerstenvorrat in Nebra an der Unstrut stammt. Im deutschen Raum lagen die historischen Anbaugebiete in Mitteldeutschland und in be stimmten Teilen Süddeutschlands, sowie im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb. Um 1900 wurde im Deutschen Reich noch eine Gesamtf1äche von lediglich ca. 19000 Hektar Linsen registriert, in Wirklichkeit aber muß höchstwahrscheinlich die Gesamtf1äche größer gewesen sein, da die kleineren Parzel len nicht sämtlich statistisch erfaßt wurden. Auch im heutigen Nordosten Deutschlands gab es im 19. und im frühen 20. Jahrhundert noch Linsenanbau. In einer Generaltabelle für die oolithlkum Bronzezeit 'MitteJidtcr zahl von verkohlten Körnern oder Abdrücken Abb. 2 Fundstellen mit verkohlten Körnern von Linsen aufweisen Abb. 2). Aus späteren von Linsen in den östlichen Bundes- Zeiten . iegt nur noch ein etwas größerer Fund ländern 41  Aussaat von Getreide und Hülsenfrüchten in der Kurmark aus 1805 gibt es auch Angaben über die Linse. Ihre Aussaatmengen sind eher gering und entsprechen nur in etwa 3 der Aussaatmengen der anderen Hülsenfrucht Erbse. Schwerpunkt des Linsenanbaus in der Kurmark liegt nach dieser Tabelle in den Kreisen Tangermünde, Stendal, Lebus, BeeskowStorkow und in der Uckermark. Die Linse spielt heutzutage in der deutschen Landwirtschaft keine Rolle mehr. Eine große Rolle in der deutschen Landwirtschaft hat es aber für diese Kulturpflanze sowieso nie gegeben, wegen der relativ geringen Samen- und Stroherträge, der großen Schwankungen in dieser Hinsicht unter dem Einfluß der Jahreswitterung und der Änfälligkeit für Schädlingsbefall. Zudem ist die Linse ein schlechter Bodenbedecker, der die Äcker schnell verunkrauten läßt, so daß ihr Anbau sehr arbeitsintensiv ist Linsen gedeihen auf unterschiedlichen Böden, und lediglich saure Böden und schwere onböden sind ungeeignet. Im allgemeinen gedeiht sie am besten auf ärmeren, säurefreien, leichteren Böden von großer Durchlässigkeit, vorzugsweise auf Südhängen. In der Umgebung unserer Fundstelle finden sich außer den Niederungen vorherrschend lehmige Sand böden bis sandige Lehmböden, die teilweise im Untergrund mergelig sind. Es sind mittlere bis gute Ackerböden, die sich auch für Linsenanbau im Prinzip gut eignen würden. Aussaat findet von Mitte bis Ende April statt. Es gibt aber auch Winterformen der Linse. KörberGrohne gibt an, daß Linsen sogar auf der klimatisch rauhen Schwäbischen Alb als Winterfrucht unter den Getreiden angebaut worden sind. Aber das Risiko des Erfrierens von sowohl Sommer-als Winterformen ist erheblich. Wärme, Lufttrockenheit und ausreichende Bodenfeuchte fördern die Entwicklung und den Samenertrag. Das Gebiet im direkten Oderbereich ist relativ trocken und warm im Som- 42 mer, was sich immer noch in Sonderkulturen wie Tabak widerspiegelt. Ende August, Anfang September wird die Linse geerntet. Ernten geschieht durch absicheln oder abmähen, aber wenn die Linse für Samen angebaut wird, häufiger durch das Ausraufen der Pflanzen. Felder mit Linsen sind nicht sehr ertragreich. In den kurzen Hülsen befinden sich 1-3 abgeflachte, scheibenförmige Samen. Eine Ernte ergibt ca. 700-1300 kglha Samen, dazu kommen noch ca. 700-1200 kglha Linsenstroh. Der Eiweißgehalt der Samen mit ca. 25 ist hoch und die Linse gilt daher öfters als Fleischersatz. Brot gebacken mit einem Drittel Bohnen- oder Linsenmehl und zweidrittel Getreidemehl ist für vegetarische Kost ausgewogen. Reife Sa- men werden zu Suppen Eintöpfe) oder Brei verarbeitet. Aber auch die unreifen Hülsen können als Gemüse gegessen werden. In Deutschland wurden vor allem die Formen mit kleineren Sameqgrößen von 3-6 mm angebaut. Die in Lebehn gefundenen Linsen gehören mit ihren mittleren Größe von ca. 3 mm zu den kleinsamigen Formen. Linsenstroh ist sehr proteinreich und gilt als gutes Viehfutter. Es gibt Angaben aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts über den Anbau von Linsen in Westpreußen, wo Linsen zusammen mit Sommerroggen oder Hafer als reines Grünfutter angebaut wurden, und als solches für Schafe, insbesondere für die Lämmerzucht, empfohlen wurde. Linse wurde auch häufig unter einer Deckfrucht, wie Gerste, angebaut. Vorteile sind die gegenseitige positive Beeinflussung, weniger Verunkrautung und eine gewisse Risikoaufteilung, so daß auch bei ungünstiger Witterung wenigstens die Hoffnung besteht, noch was ernten zu können. Diese gemischte Anbauweise hat allerdings auch viele Nachteile, wie zuviel Bedeckung durch die Deckfrucht und, im Falle vom Anbau zwecks Körnergewlhnung, eine arbeitsintensive Pflege und Samenernte.  Wenn man das archäologische Fundmaterial und die historischen ngaben über Linsenan bau in Betracht zieht wird klar daß die Linse als Kulturpf1anze in unseren Breiten immer eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Mittlerweile ist der Linsenanbau in Mitteleuropa sogar völlig erloschen. Die wichtigsten AnbauWnder der Linse liegen heutzutage wie eh und je schwerpunktmäßig im mehr südlichen Raum z. 13 in Syrien Äthiopien Türkei Iran Nordafrika und Teilen Süd- und Westasiens. Vor allem wegen des viel besser geeigneteren Kli- mas aber auch wegen des erforderlichen Arbeitsaufwands ist der Anbau in diesen Gebieten dem Anbau in unseren Breiten konkurrenzlos überlegen. Reinder eej Literatur W. Franke Nutzpflanzenkunde. Stuttgart 1976. - M. Hopf Vor- und frühgeschichtliche Kulturpf1anzen aus dem nördlichen Deutschland. Kataloge Vor und Frühgeschichtlicher Altertümer Band 22 Mainz 1982. - U Körber-Grohne Nutzpf1anzen in Deutschland. Stuttgart 1987. - A. von Lengerke Die Provinz Preußen in landwirtschaftliche Beziehung Berlin 1852. - H H Müller Märkische Landwirtschaft vor dem Agrarreformen von 1807 Veröffentlichungen des Bezirksheimatmuseums Potsdam Heft 13 1967 - J. Schultze-Motel Archäologische Kulturpf1anzenreste aus Thüringen. Weimarer Monographien zur Ur und Frühgeschichte Band 32 1994. - A. Zade Pf1anzenbaulehre für Landwirte. 13erlin 1933. 43
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