Austern, Oliven und Wein vom Mittelmeer? Die villa rustica im Propsteier Wald. Ein Einblick in das römerzeitliche Landleben im Aachener Umland anhand archäologischer Befunde

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     Austern, Oliven und Wein vom Mittelmeer? Die vill rustic im Propsteier Wald Ein Einblick in das römerzeitliche Landleben im Aachener Umland anhand archäologischer Befunde von Nico Biermanns Einleitung Der römischen – oder allgemeiner der römer zeitlichen   – Siedlungsstruktur der heutigen Stadt  Aachen ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten in der archäologischen und althistorischen For-schung einige Aufmerksamkeit geschenkt worden. 1  So ist man jüngst bestrebt gewesen, Belege für ein über den Status als römisches Militärbad hinausgehendes urbanes Gepräge und einen weit fortgeschrittenen Grad der Romanisierung bzw. Romanisation 2  der Siedlung zu erbringen. 3  Deut-lich spärlicher sieht die Forschungslage aus, sobald man sich dem Aachener Stadtkern rund um die römischen Thermalbädern ab- und den ländlichen Siedlungsformen der Umgebung zuwendet. Neben den etwa für Stolberg-Gressenich/-Breinigerberg  4  oder Düren-Mariaweiler 5  prominent 1  Vgl. etwa Koch, Wilfried M.: Aachen – erste Ergebnisse einer Stadtarchäologie, in: Ausgrabungen im Rheinland 1985/86, S. 95–112; Bauchhenß, Gerhard (Red.): Aquae Granni. Beiträge zur Archäologie von Aachen (= Rheini-sche Ausgrabungen 22), Köln/Bonn 1982; Galsterer, Hartmut: Das römische Aachen – Anmerkungen eines Althis-torikers, in: ZAGV 98/99 (1992/1993), S. 21–27; Strauch, Dorothee: Römische Fundstellen in Aachen, in: ZAGV 100 (1995/1996), S. 7–128; Keller, Christoph: Archäologische Forschungen in Aachen. Katalog der Fundstellen in der Innenstadt und in Burtscheid. Mit einem Beitrag von Renate Gerlach (= Rheinische Ausgrabungen 55), Mainz 2004; Kraus, Thomas R. (Hrsg.): Aachen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 3 Bde., I: Die natürlichen Grundla-gen. Von der Vorgeschichte bis zu den Karolingern (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Aachen 13; Beihefte der ZAGV 7), Aachen 2011; von Haehling, Raban/Schaub, Andreas (Hrsg.): Römisches Aachen. Archäologisch-historische Aspekte zu Aachen und der Euregio, Regensburg 2013. 2  Dass die Ausbreitung der römischen Kultur in die Randprovinzen im Sinne eines dynamischen ‚Einsickerungs-Effektes‘ vonstattenging und weniger im Sinne eines ‚Kulturimperialismus‘, wird heute weitgehend angenommen. Diese mehr oder minder ‚freiwillige‘ Adaption der römischen Kultur wird im deutschsprachigen Raum in Abgren-zung zum eher mit einem linearen Assimilationsprozess assoziierten Begriff der Romanisierung   vor allem unter dem Begriff der Romanisation  , d. h. ‚Eigen-Romanisierung‘ gefasst. Vgl. dazu etwa Spickermann, Wolfgang: Art. Romani-sierung, in: RGA 25 (2003), S. 310–318, hier S. 310 f.; Spickermann, Wolfgang: Art. Romanisation, in: DNP 10 (2001), Sp. 1121–1122; Roymans, Nico: The Sword and the Plough. Regional Dynamics in the Romanisation of Belgic Gaul and the Rhineland Area, in: ders. (Hrsg.): From the Sword to the Plough. Three Studies on the Earliest Romanisation of Northern Gaul (= Amsterdam Archaeological Studies 1), Amsterdam 1996, S. 9–126, hier S. 10 f. 3  Vgl. die Beiträge bei von Haehling/Schaub 2013, darunter besonders: Schaub, Andreas: Aachen in römischer Zeit aus archäologischer Sicht – Versuch einer Neubewertung, S. 131–205; Scholten, Helga: Urbanität und Romanisie-rung – eine siedlungshistorische Einordnung Aachens, S. 269–296. 4  Vgl. etwa Kessel, Johann H.: Das Dorf Gressenich und seine Alterthümer, in: ZAGV 2 (1880), S. 141–153; Cramer, Franz: Aus der Urzeit Eschweilers und seiner Umgebung. Ein Beitrag zur rheinischen Siedlungsgeschichte, in: Gymnasium zu Eschweiler (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte Eschweilers und seines höheren Schulwesens. Fest-schrift zur Feier der Anerkennung des Gymnasiums Ostern 1905, Eschweiler 1905, S. 34–51, hier S. 36, 38 f., 51 Nr. 17; Cramer, Franz: Ausgrabungen und Funde aus vorgeschichtlicher und römischer Zeit in Eschweiler und Umge-gend, in: Aus Aachens Vorzeit 19 (1906), S. 22–30; Cramer, Franz: Das Indegebiet vor 1800 Jahren, in: Aus Aachens  Vorzeit 20 (1907), S. 1–15; Schmid-Burgk, Max: Römische Ansiedlung in Breinigerberg, in: ZAGV 45 (1923), S. 283; Rothenhöfer, Peter: Die Wirtschaftsstrukturen im südlichen Niedergermanien. Untersuchungen zur Entwicklung eines Wirtschaftsraumes an der Peripherie des Imperium Romanum (= Kölner Studien zur Archäologie der römi-schen Provinzen 7), Rahden/Westf. 2005, S. 84 f.   Austern, Oliven und Wein vom Mittelmeer? Die villa rustica   im Propsteier Wald   2 bezeugten vici   dominierte seit dem ausgehenden 1. Jh. n. Chr. auf dem Land die Siedlungsform des gallo-römischen Landgutes, der villa rustica  . 6  Was deren Erforschung im Aachener Umland angeht, klagt etwa Raban von Haehling, RWTH-Althistoriker und Herausgeber des 2013 erschie-nenen Sammelbandes Römisches Aachen  , eine systematische Gesamtuntersuchung stehe hier bis- weilen aus. 7  Auf heutigem Aachener Stadtgebiet sind tatsächlich gerade einmal drei antike land- wirtschaftliche Gehöfte zumindest teilweise archäologisch erschlossen (Walheim-Friesenrath, Laurensberg-Süsterfeld, Vetschau-Butterweiden). 8  Vernachlässigt man dagegen moderne Verwal-tungsgrenzen und Zuständigkeitsbereiche der Bodendenkmalpflege, ergibt sich aus Ausgra-bungsberichten von der Mitte des 19. Jh.s bis in die jüngste Vergangenheit ein doch recht buntes Bild eines ausgeprägten Netzes von villae rusticae   im weiteren Aachener Umland. Wie Dietmar Kottmann allerdings richtig festhält, „ohne dass sich daraus bisher ein einigermaßen vollständiges Bild von der Anzahl, der Größe und Beschaffenheit der villae rusticae  , die das römische Aachen  versorgten, gewinnen ließe.“ 9  Petra Tutlies, Leiterin des zuständigen LVR-Amtes für Boden-denkmalpflege im Rheinland, Außenstelle Nideggen, nennt alleine für das Umfeld Eschweiler-Röhes eine Anzahl von ganzen 18 bekannten römischen Villenfunden. 10  Vor allem durch den Braunkohletagebau in dem nach Eschweiler eingemeindeten Ortsteil Lürken und der Gemeinde Inden konnten in den letzten Jahren und Jahrzehnten einige Villenkomplexe in ihrer Gesamtheit großflächig ergraben werden. Die großflächigen und archäologisch intensiv betreuten Grabungen ermöglichten es dabei in beispielloser Weise, das Bild der ländlichen Lebensformen des Aachener Umlandes in seinen Konturen um einiges zu schärfen. 11  Im Folgenden soll sich aber nicht mit den jüngeren und jüngsten Villenfunden aus dem Kon-   5  Vgl. Heinrichs, Johannes: Ein Vicus der frühen und mittleren römischen Kaiserzeit bei Düren-Mariaweiler (Mar-codurum). Topographie, siedlungsgeschichtlich relevante Lesefunde (Münzen und Fibeln), Orts- und Regionalge-schichte, in: KJ 39 (2006), S. 7–110; ders.: Der Raum Aachen in vorrömischer Zeit (ca. 200 – 1 v. Chr.), in: von Haehling, Raban/Schaub, Andreas (Hrsg.): Römisches Aachen. Archäologisch-historische Aspekte zu Aachen und der Euregio, Regensburg 2013, S. 13–96, hier S. 68–86. 6  Vgl. zu den Grundlagen der Villenforschung: Heimberg, Ursula: Römische Villen an Rhein und Maas, in: BJ 202/203 (2002/2003), S. 57–148; Kunow, Jürgen: Die ländliche Besiedlung im südlichen Teil von Niedergermanien, in: Bender, Helmut/Wolff, Hartmut (Hrsg.): Ländliche Besiedlung und Landwirtschaft in den Rhein-Donau-Provinzen des Römischen Reiches. Vorträge eines internationalen Kolloquiums vom 16.–21. April 1991 in Passau (= Passauer Universitätsschriften zur Archäologie 2), Espelkamp 1994, S. 141–197. 7  Vgl. von Haehling, Raban: Einleitung, in: ders./Schaub, Andreas (Hrsg.): Römisches Aachen. Archäologisch-historische Aspekte zu Aachen und der Euregio, Regensburg 2013, S. 7–11, hier S. 11. 8  Vgl. Schaub, Andreas: Das Umland von AQUAE GRANNI, Kornelimünster und Umgebung, in: Kraus,  Thomas R. (Hrsg.): Aachen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 3 Bde., I: Die natürlichen Grundlagen. Von der  Vorgeschichte bis zu den Karolingern (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Aachen 13; Beihefte der ZAGV 7),  Aachen 2011, S. 424–440, hier S. 435–440. Für weiterführende Literatur zu den drei Grabungen siehe die Tabelle im  Anhang. 9  Kottmann, Dietmar: Beobachtungen zum römischen Wegenetz im Aachener Umland, in: von Haehling, Raban/Schaub, Andreas (Hrsg.): Römisches Aachen. Archäologisch-historische Aspekte zu Aachen und der Euregio, Regensburg 2013, S. 343–354, hier S. 344. 10  Vgl. Tutlies, Petra: Archäologie im Raum Eschweiler-Röhe, in: Eschweiler Geschichtsverein e. V., Arbeitskreis „Stadtteilforschung Röhe“ (Hrsg.): Eschweiler Röhe, Eschweiler 2011, S. 13–20, hier S. 18. 11  Eine Zusammenfassung der neuen Erkenntnisse durch den Braunkohletagebau im Allgemeinen findet sich bei Heimberg 2002/2003.     Austern, Oliven und Wein vom Mittelmeer? Die villa rustica   im Propsteier Wald   3 text des Braunkohletagebaus beschäftigt werden, deren Grabungen in der Regel wissenschaftlich begleitet und archäologisch umfassend dokumentiert wurden (zur Gesamtbetrachtung des Vil-lennetzes im Aachener Umland wurde im Anhang eine tabellarische Auflistung der bekannten  Villenplätze der Region samt einiger Literaturhinweise beigefügt). Vielmehr sollen hier die Er-gebnisse eines ‚Altfundes‘ rekapituliert werden, wobei exemplarisch der Grabungsbericht und  verschiedene Notizen zur villa rustica   und weiteren Funden im Eschweiler Propsteier Wald aus-zuwerten und zu besprechen sind. Dabei gilt es anhand einiger besonders aufschlussreicher Be-funde zu versuchen, einen Eindruck von der Lebensweise auf den römerzeitlichen Landgütern der Region zu gewinnen. Inwieweit wurden hier römische bzw. italische Lebensformen ins Inde-tal importiert? Die vill rustic im Propsteier Wald  Gegenüber dem Stolberger Bahnhof auf dem Südosthang des Propsteier Waldes, noch auf Eschweiler Stadtgebiet 12 , wurde im Jahr 1876 auf dem damaligen Gelände des Eschweiler Berg- werkvereins (EBV) durch Zufall von einem Forstbeamten ein Stück behauenen Sandsteins der Größe 30 × 30 × 20 cm gefunden, das sich bei genauerer Betrachtung als Unterteil einer sitzen-den weiblichen Gewandstatuette herausstellte. 13  Bei anschließenden systematischen Nachfor-schungen stieß man schließlich auf teilweise dicht unter der Erde liegende Mauerreste – die Grundmauern des Wohnhauses einer villa rustica  . Eine vollständige Ausgrabung erfolgte schließ-lich in den Jahren 1880 und 1881 unter der Leitung des Aachener Museumsdirektors Fritz Berndt. 14  „Die Mauern“, wie Berndt in seinem Ausgrabungsbericht festhält, „sind aus behauenem Kohlensandstein, der in unmittelbarer Nähe gebrochen war, hergestellt, in ungleichen Stücken 12  Obwohl die Villa dem Eschweiler Stadtgebiet zuzuordnen ist, findet sich in der Forschungsliteratur fast durchweg die fälschliche Zuordnung zu Stolberg und die daraus resultierende Bezeichnung als ‚Stolberger Villa‘. Gänzlich falsch interpretiert wurden teilweise auch die einführenden Worte Fritz Berndts, beim Bau des damaligen Stationsge-bäudes des Stolberger Bahnhofs [1841] seien einige römische Mauerreste angeschnitten worden (vgl. Berndt, Fritz: Eine römische Villa bei Stolberg, in: ZAGV 4 [1882], S. 179–188, hier S. 179). Die Annahme, an der Stelle des Stati-onsgebäudes habe sich eine (weitere) römische Villa befunden (so etwa bei Kottmann 2013, S. 340, Anm. 22), beruht  wohl auf der falschen Darstellung bei Reiners, Heribert: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Aachen (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 9,2 u. 11,1), Düsseldorf 1912 (ND Düsseldorf 1981). Hier heißt es: „Im J[ahre] 1880 wurden an der Stelle des jetzigen Stationsgebäudes die Fundamente einer römischen Villa blossgelegt.“ (S. 178) Dass aber zweifelsohne die gegenüber dem Stationsgebäude gelegene Propsteier Villa gemeint ist, ergibt sich – neben der inhaltlichen Funddeckung – auch aus den Literaturangaben (Berndt 1882, aus’m Weerth 1883). Bei den römi-schen Mauerresten, die beim Bau des Stationsgebäudes gefunden wurden, dürfte es sich vielmehr um Nebengebäude oder andere Anlagen des weitläufigen Villenareals gehandelt haben, von dem nur das eigentliche Wohnhaus 1880/81 ausgegraben wurde. Auch die falsche Angabe bei Dodt, Michael: Die Thermen von Zülpich und die römischen Ba-deanlagen der Provinz Germania inferior, Diss. Bonn 2003, online: http://hss.ulb.uni-bonn.de/2003/0117/0117.pdf, S. 232 basiert wohl auf der Darstellung bei Reiners („1888 wurde der Fundplatz beim Bau des Stolberger Bahnhofs zerstört.“). 13  Vgl. Römische Villa bei Aachen, in: Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands 6 (1880), S. 446; Berndt 1882, S. 179; Kisa, Anton C.: Die römischen Antiken in Aachen, in: Westdt. Zeitschrift f. Geschichte u. Kunst 25 (1906), S. 1–83, hier S. 22. Siehe zu der Statuette auch unten S. 6 f.   14  Vgl. aus’m Weerth, Ernst: Stolberg, Landkreis Aachen, in: BJ 75 (1883), S. 178–179; Berndt 1882, S. 180.   Austern, Oliven und Wein vom Mittelmeer? Die villa rustica   im Propsteier Wald   4 zwar, aber in regelmäßigen Lagen mit gutem Fugenverband aufgeführt.“ 15  Auf der Mauerfläche ließen sich eine Schicht glatt geschliffenen Kalkputzes und darauf sogar noch die Reste verschie-dener Farben – weiß, ockergelb, braunrot und schwarz – ausmachen. 16  Der rechteckige Grund-riss des gallo-römischen Landhauses beläuft sich auf die stattliche Größe von 38 × 20 m. 17    Abb. 1: Grundriss der Propsteier Villa (aus: Kaemmerer 1964, S. 86)  Franz Cramer beschreibt den Grundriss der Villa wie folgt und illustriert dabei gleichsam die Le-bensformen ihrer Bewohner: „Der Grundriss zeigt ein längliches Viereck mit einem offenen Mittelhof; um diesen gruppieren sich nach  Westen die Baderäume und heizbaren Kammern, nach Osten Küche und Wirtschaftsgelasse, die auch hier,  wie vielfach in rheinischen Villen, nicht bloss durch Mühlsteine, Topfscherben, Knochen, sondern auch durch Austernschalen und Reste anderer Leckerbissen charakterisiert sind. Im Süden, mit dem Blick in die of-fene Berglandschaft und ins romantische Vichttal, befinden sich die Wohnräume: ein langgestreckter Saal mit je einem quadratischen Zimmer zu beiden Seiten. Es fanden sich auch zahlreiche Scherben flacher Glasschei-ben vor, wodurch das ehemalige Vorhandensein von Glasfenstern festgestellt ist: eine Eigenschaft rheinischer  Villen aus römischer Zeit überhaupt.“ 18    Architekturgeschichtlich gehört die Villa zum im Rheinland häufig anzutreffenden Portikus-Eckrisalit-Typus. Recht selten sind hingegen für die hiesige Region die beidseitig   nach vorne vor-springenden Eckrisaliten (siehe Abb. 1, Räume F1, F2, E1, D1): 19  „Hier zeigt sich die eine Lang-   15  Berndt 1882, S. 180 f. 16  Vgl. ebd., S. 181. 17  Vgl. ebd., S. 180. 18  Cramer 1907, S. 11; vgl. auch aus’m Weerth 1883, S. 179. 19  Vgl. Swoboda, Karl M.: Römische und romanische Paläste. Eine Architekturgeschichtliche Untersuchung, Wien 1919, S. 109 f.   Austern, Oliven und Wein vom Mittelmeer? Die villa rustica   im Propsteier Wald   5 seite nur mehr durch ihre Größe als Hauptfassade hervorgehoben.“ 20  Nach Süden hin öffnete sich gen Indetal auf dem abfallenden Berghang also eine – vermutlich repräsentativ wirkende – Säulenhalle (Raum G), die rechts und links von den nach vorne vorspringenden, höheren Eckri-saliten (F1 und F2) begrenzt war, während nach Norden eher von einem geschlossenen Raum (Raum C) zwischen den Eckrisaliten (D1 und E1) auszugehen ist. Laut Berndt könne Raum C auch „eine gegen Nord geschlossene, gegen Süd in der Mitte nach dem Hof [Raum D] zu offene, bedeckte Halle gewesen [sein], die auch zur Verbindung zwischen den östlichen und westlichen Räumen gedient haben mag und durch eine Thür in der Nordwand in’s Freie führte.“ 21  Ein Re-konstruktionsversuch von Köhne zeigt, wie die Villa in etwa wohl ausgesehen haben könnte (sie-he Abb. 2).  Abb. 2: Rekonstruktionsversuch der Propsteier Villa (aus: Köhne 1936, S. 46)  Eine ungefähre Datierung basiert auf dem Fund einer einzigen Kupfermünze Kaiser Valerians (reg. 253–260 n. Chr.) in einer tiefen Bodenschicht von Raum E2, weshalb die Villa noch in der Zeit um 300 n. Chr. bewohnt gewesen zu sein scheint. 22  Neben zahlreichen Ziegelresten – allesamt ohne Stempel 23  –, Estrichböden 24  und einem in Raum C gefundenen vollständigen Mühlstein aus Eifeler Lava 25  wurden im Raum D2 Reste eines Hypocaustum freigelegt 26 , das wohl in Zusammenhang mit der beheizbaren Badeanlage der nordwestlichen Räume des Gebäudes stand (vor allem hier ist zur Verhinderung von Wärmeaus-tritt mit Fensterglas zu rechnen, von dem zahlreiche Fragmente gefunden wurden 27  ). Wie Michael Dodt rekonstruiert hat, handelt es sich beim Bad der Propsteier Villa um eine Badeanlage des Reihentyps 28 ; nicht nur die Räume D3–D5 gehörten dabei zur Badeanlage, wie Berndt noch an-   20  Ebd., S. 110.   21  Berndt 1882, S. 182. 22  Vgl. ebd., S. 185. 23  Vgl. ebd., S. 181. 24  Vgl. ebd., S. 182. 25  Vgl. ebd., S. 183. 26  Vgl. ebd. 27  Vgl. Dodt 2003, S. 233; Berndt 1882, S. 186. 28  Vgl. Dodt 2003, S. 232, 234.
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